Wiederverwenden (ReUse)

Wiederverwendung (ReUse)

Der Weg in die Kreislaufwirtschaft: Re-Use!

Immer deutlicher wird die Notwendigkeit, unsere zerstörerische Spirale von immer mehr Wachstum, höherem Ressourcenverbrauch und kürzerer Nutzung einer immer größeren Zahl und Vielfalt von Produkten zu durchbrechen. Die Alternative heißt Kreislaufwirtschaft. Damit ist nicht nur verstärktes Recycling gemeint, sondern vor allem eines: Intelligente, sparsame, möglichst lange, kurzum nachhaltige Nutzung von Produkten und Ressourcen. Eine wichtige Möglichkeit dazu ist „Re-Use“, also die Wiederverwendung alter, aber noch brauchbarer Gegenstände. 

Was bedeutet Wiederverwendung?

Wiederverwendung oder „Re-Use“ bedeutet, einen noch brauchbaren Gegenstand, den man selbst nicht mehr haben will, anderen zukommen zu lassen, damit diese ihn wieder nutzen können. Beispiele: Man schenkt seinen gerade erwachsen gewordenen Kindern Hausrat für die erste eigene Wohnung, verkauft Dinge z.B. im Internet oder auf dem Flohmarkt oder spendet sie gemeinnützigen Organisationen. 

Im Entstehen: Re-Use-Annahme in Altstoffsammelzentren der Gemeinden

Eine aktuell im Aufbau befindliche Möglichkeit ist es, solche Dinge im Altstoffsammelzentrum seiner Gemeinde abzugeben. Das ist vor allem deshalb praktisch, weil man beim Ausmisten zuhause gleich alles mitnehmen kann und die MitarbeiterInnen in den Altstoffsammelzentren bei Unsicherheiten kompetent helfen können: Sind der alte Staubsauger oder das Radiogerät tatsächlich noch von anderen brauchbar oder gehören sie doch in den Recycling-Container? 

Annahme von brauchbaren Elektrogeräten in Altstoffsammelzentren

Immer mehr Gemeinden in Vorarlberg richten solche Annahmestellen für noch brauchbare Gegenstände ein – in einem ersten Schritt für gebrauchsfähige Elektrogeräte. Die Vorarlberger Gemeinden arbeiten dabei mit der Caritas Vorarlberg zusammen, die im Rahmen ihrer Beschäftigungsprojekte für am Arbeitsmarkt benachteiligte Menschen eine professionelle Werkstatt zur Instandsetzung von Elektrogeräten eingerichtet hat, und die „runderneuerten“ und geprüften Geräte dann in ihren Carla-Läden günstig verkauft. Eine Erweiterung auf andere Produktgruppen ist für einen späteren Zeitpunkt vorgesehen, aktuell bieten etwa verschiedene gemeinnützige Organisationen Abnahmemöglichkeiten. 

Aktuell nehmen in Vorarlberg zehn Gemeinden – z.T. im Rahmen einer interkommunalen Vereinbarung auch für Nachbargemeinden – während der Öffnungszeiten wiederverwendungsfähige Elektrogeräte entgegen: Bludenz (ASZ), Bregenz (Bauhof), Dornbirn (Bauhof), Feldkirch (ASZ), Nenzing (Bauhof), Nüziders (Bauhof), Rankweill (Bauhof), Thüringen (DLZ Blumenegg), Thüringerberg (Bauhof).

Warum engagieren sich die Vorarlberger Gemeinden für Re-Use?

Recycling allein kann die steigenden Abfallmengen nicht einbremsen, wenn gleichzeitig laufend mehr gekauft wird und Produkte immer schneller weggeworfen werden. Im österreichischen Abfallwirtschaftsgesetz wurde daher die Verpflichtung verankert, dass die Wiederverwendung noch vor dem Recycling prioritär gefördert und unterstützt werden muss. Gemeinden sind verpflichtet, mindestens zweimal im Jahr eine Annahme von wiederverwendbaren Elektrogeräten anzubieten. Sie gehen bevorzugt an gemeinnützige Organisationen zur weiteren Verwertung. Wie in anderen Bundesländern wird diese Verpflichtung nun Schritt für Schritt auch von den Vorarlberger Gemeinden umgesetzt. Aus „Ab in den Container“ wird jetzt „Bitte vorsichtig ins Re-Use-Regal“. 

Ist Re-Use überhaupt sinnvoll?

Studien belegen, dass Re-Use fünf- bis zehnmal so viele Arbeitsplätze schafft wie das Recycling bei der gleichen Art und Menge an Abfällen. Werden damit wie in Vorarlberg soziale Integrationsbetriebe betraut, ersparen diese ihrer Region deutlich mehr an Kosten für Sozialtransfers, entgangene Steuern, Entsorgungskosten und Armutsprävention, als sie Fördermittel erhalten. Die Region profitiert also mehrfach: mehr Arbeit, mehr lokale Wertschöpfung, weniger Abfälle, weniger Rohstoff-Verbrauch. 

Re-Use spart CO2 und Ressourcen

Eine höhere Re-Use-Menge bringt auch klare ökologische Vorteile. Die CO2 -Einsparung ist einer davon und gut quantifizierbar: Die Universität für Bodenkultur in Wien hat anhand ausgewählter typischer Re-Use-Produkte aus Pilotversuchen in Vorarlberg (Holzmöbel, Couch, Waschmaschine, Bücher, Kleidung und Schuhe) je nach Produkt und Nutzung (Art und Dauer) teils sehr hohe CO2-Einsparungsbeiträge ermittelt. Am höchsten sind sie bei Möbeln und Büchern, immerhin noch 15% bei Elektrogeräten, da diese während der verlängerten Nutzung ja weiterhin Strom verbrauchen. Dass Re-Use Ressourcen und graue Energie durch eingesparte Neuprodukte schont, versteht sich von selbst. 

Was ist Re-Use-fähig?

Dafür gibt es eine einfache Faustregel: „Re-Use-fähig ist, was Sie Ihren Kindern zumuten würden.“ Re-Use-fähig ist ein Produkt dann, wenn es sauber und einwandfrei ist, Sie es also Ihren Kindern für deren erste eigene Wohnung zumuten oder es guten Gewissens Freunden und Bekannten weitergeben würden. Produkte, die so „abgewirtschaftet“ sind, dass dies nicht vorstellbar ist, gehören nicht zum Re-Use, sondern in die jeweils passende Abfallsammelschiene. 

Was ist mit kaputten Geräten?

Eine Reparatur von in Vorarlberger Altstoffsammelzentren gesammelten Geräten ist nur dann sinnvoll, wenn die bezahlte Arbeitszeit für die Reparatur in der Caritas-Werkstatt durch den Verkaufserlös im Carla-Laden samt allen anderen Kosten gedeckt werden kann. Das ist meist nur bei höherpreisigen Gegenständen der Fall, zum Beispiel bei Waschmaschinen und Unterhaltungselektronik, sofern der Fehler bekannt und gut reparabel ist. Andere Geräte, die für das Re-Use abgegeben werden, sollten daher einwandfrei funktionieren und auch äußerlich sauber und in gutem Zustand sein. Eine Sicherheits- und Funktionsprüfung erfolgt in jedem Fall. Es werden nur durch Fachleute geprüfte Geräte für den Verkauf freigegeben – und das mit der gesetzlichen Gewährleistung. 

Arbeitsplätze durch Re-Use von Elektrogeräten?

Das Pilotprojekt in der Gemeinde Nenzing hat gezeigt, dass nach vorsichtiger Schätzung ca. 4 % aller Elektrogeräte, die insgesamt ins Altstoffsammelzentrum kommen, nach Prüfung und Instandsetzung wiederverwendet werden können. Legt man europäische Erfahrungen auf Vorarlberg um, könnte das bei optimaler Ausnutzung des Mengenpotentials ca. zehn neue Arbeitsplätze im Re-Use-Bereich allein für Elektroaltgeräte schaffen. 

„Besser als neu“: Argumente für Re-Use

In Diskussionen werden immer wieder Argumente gegen Re-Use eingebracht, etwa, dass neuere Produkte ökologischer sind, weil sie angeblich weniger Energie verbrauchen oder dass Wegwerfprodukte mehr Arbeitsplätze schaffen, technisch besser und obendrein billiger seien. Verschiedene Fakten dazu:

  • Arbeitsplätze: Die Reparatur eines Gebrauchsproduktes schafft oftmals mehr hochwertige Arbeit vor Ort als die Herstellung eines Billigprodukts für die gleiche (Rest-)Lebensdauer. 
  • Ressourcen: Die Verdoppelung der Nutzungsdauer eines Gegenstandes halbiert Rohstoffeinsatz, Abfallmenge, Herstellungs- und Transportenergie.
  • Energie: Neue Produkte bzw. ihre Nutzung verbrauchen oft mehr Energie z.B. durch 
    - aufwändigere Technik (z.B. Flachbildschirme), 
    - häufigeren oder längeren Einsatz (Stand-By-Betrieb, Computer im Dauerbetrieb, öfter Wäsche waschen etc.), 
    - Anschaffung einer höheren Anzahl (Beleuchtungskörper, Haushaltsgeräte), 
    - Substitution von handbetriebenen Geräten durch Elektrogeräte (Küchengeräte, Werkzeug),
    - kürzere Lebensdauer, daher öftere Herstellung, 
    - immer mehr und zusätzliche Produkte (Tablets, Kaffeeautomaten, Fernseher und neuerdings Audio-Anlagen in jedem Zimmer, Bad und WC...).
  • Qualität: Langlebige Gegenstände sind qualitativ hochwertiger und auf die Nutzungsdauer gerechnet meist auch billiger. Produkte, die es bis in den Secondhand- oder Re-Use-Shop schaffen, haben durchwegs Top-Qualität. 
  • Technische „Verbesserungen“: Technische „Entwicklungen“ entpuppen sich – gerade auch bei elektronischen Geräten – oft als Marketing-Instrument zur Bindung der KäuferInnen an den Hersteller. Software oder fehlende Kombinations-möglichkeiten/Kompatibilität (Ladegeräte!) machen einen Hersteller-Wechsel dann oft teuer. 

Gesamtmenge der gesammelten Elektroaltgeräte (2013)

 3.823  t/Jahr

davon für Re-Use interessante Gerätegruppen Großgeräte, Kleingeräte und Bildschirmgeräte (2013)

 3.216  t/Jahr

davon Re-Use-fähig (konservative Schätzung auf Basis der  Erfahrungen im Pilotversuch Nenzing)

 0,5 kg /  EW
 165 t/Jahr

in Prozent der Sammelmenge für Groß-, Klein- und Bildschirmgeräte:

 5 %

in Prozent der Gesamtsammelmenge aller EAG

 4 %

Arbeitsplätze pro 1.000 t/Jahr Re-Use (internationale Erfahrungen)

 mind. 60

zusätzliche Arbeitsplätze für Vlbg bei voller Ausschöpfung
des Re-Use-Potentials (165 t / Jahr) an Elektroaltgeräten:

 mind. 10

Aktuelle Zahl der Altstoffsammelstellen in Vorarlberg mit Rücknahme von gebrauchsfähigen Elektroaltgeräten (z.T. auch für Nachbargemeinden)

 19

Treibhausgas-Einsparung pro Re-Use-Gerät durchschnittlich am Beispiel einer Waschmaschine

 15 %